Gassenkind Helga - eine Kindheit im
zweiten Weltkrieg
Bunker verpasst
In der Nacht zum 12. August 1942 hatte Cilly es mit der
zweijährigen Helga auf dem Arm nicht rechtzeitig in den
Luftschutzkeller geschafft. Die Bomberflugzeuge kamen immer
näher und der verzweifelten Frau blieb nichts anderes
übrig, als sich auf die Erde zu legen und ihr Kind mit dem
eigenen Körper zu schützen. Helgchen wehrte sich
verzweifelt, denn sie verstand nicht, warum sie plötzlich im
Dreck stilliegen sollte, dicht an ein Haus gepresst, das Gewicht der
Mutter schwer über den zarten Gliedern.
Der Vorort, in dem Cilly lebte, blieb in dieser Nacht verschont, doch
als sie sich schließlich traute, den Kopf zu heben, waberte
eine gigantische Rauchwolke über der Stadt. 134 Tonnen
Brandbomben und 203 Tonnen Sprengbomben machten die Innenstadt von
Mainz dem Erdboden gleich. Die Feuersbrunst war nicht zu
löschen.
In der darauffolgenden Nacht folgte der nächste Angriff.
Insgesamt 161 Menschen kamen ums Leben, 781 Wohnhäuser wurden
völlig zerstört. 370 Häuser waren schwer,
2819 leicht beschädigt. Fünf Kirchen, vier Schulen,
ein Krankenhaus, 23 öffentliche Gebäude und 40
Mainzer Geschäfte waren den Bomben zum Opfer gefallen. In der
Nacht zum 13. August 1942 hatte Cilly den Weg in den Luftschutzkeller
mit ihren Kindern rechtzeitig geschafft. Sie haben überlebt.