Gassenkind Helga - eine Kindheit im
zweiten Weltkrieg
Kriegsende
Als der Krieg 1945 zu Ende war, bekam Cilly mit ihren Kindern eine
Wohnung zugewiesen. Es handelte sich um den Wohnraum von Menschen, die
aufs Land geflüchtet und nicht zurückgekommen waren.
Die vom Krieg gebeutelte Familie hatte wieder ein anständiges
Dach über dem Kopf. Helgchen war inzwischen 5 Jahre alt.
Die Freude über das Kriegsende wurde getrübt von
Engpässen in allen Bereichen. Alles war zerstört und
die organisationsfreudige Cilly sah sich an der Grenze ihrer
Leistungsfähigkeit. Der Hunger wurde schlimmer als zu
Kriegszeiten.
Also entschied Cilly schweren Herzens, den
zwölfjährigen Sohn Franz ein halbes Jahr
früher aus der Schule zu nehmen. Ein Schiffer hatte sich
bereiterklärt, ihn zum Schiffsjungen auszubilden. Er brauchte
ihn sofort, konnte nicht warten. Das bedeutete für den
Zwölfjährigen Abschied von der Familie. Die Mutter
musste eine Genehmigung einholen, Franz wurde von der Schulpflicht
befreit und konnte die Stelle in Duisburg antreten. Dieses Vorgehen
kostete den Jungen den Schulabschluss. Doch darüber machte
sich damals niemand Gedanken. Die Not war einfach zu groß.
Es gab keine Kohle mehr und als es Winter wurde, froren Cilly und ihre
drei Mädchen erbärmlich in der eisigen Wohnung. Eines
Tages brannte am nahen Rhein ein Frachter. Das Schiff musste von seiner
Fracht befreit werden, alles wurde am Ufer gelagert. Es waren Kohlen!
Schnell sprach sich die Kunde von der wertvollen Ladung im Ort herum.
Alles, was laufen konnte, rannte zum Rheinufer und holte mit Karren und
Eimern, was möglich war. Maria und Elfriede schleppten die
Kohlen mit bloßen Händen nach Hause. An diesem Abend
empfingen die drei Mädchen ihre abgearbeitete Mutter in einer
warmen Küche.