Hasenbraten und Gemüse aus dem Schrebergarten
Die Qualität und Menge der
Dinge, die Cilly über die Lebensmittelkarten erhielt, wurde im Laufe der
Kriegsjahre immer schlechter und reichte nicht aus, vier Kindermünder zu
stopfen. Im eisigen Winter 1942 brach die Versorgung fast völlig zusammen. Das
brachte Cilly auf die Idee, für sich und ihre hungernden Kinder einen
Schrebergarten zu organisieren. Im Frühjahr wurde fleissig mit anderen
Gartenbesitzern Samen getauscht. Die Kinder mussten beim Säen, Hacken und Jäten
helfen, Klein-Helga wühlte unterdessen mit den Fingerchen in der dunklen Erde.
Mitten im Garten klaffte ein tiefer Bombentrichter, der nach getaner Arbeit als
Versteck für die geliehenen Hacken diente. Ein Gartenhaus gab es nicht. Der Lohn
der fleißigen Hände kam im Sommer: Cilly kochte selbst angebaute Kartoffeln und
Gemüse, die Kinder konnten sich endlich satt essen. Bohnen, Kohlrabi, Rote Bete,
und Gurken wurden in dickbauchigen Gläsern auf Vorrat für den Winter eingeweckt.
Als die Gläser zur Neige gingen, tauschte Cilly das restliche Gemüse gegen
Sauerkirschen, Zwetschgen und süße Mirabellen. Was nicht in die Mägen wanderte,
wurde zu Marmelade verkocht. Der Apfelbaum im Schrebergarten brachte eine reiche
Ernte und die Kinder schleppten Körbe voller Äpfel nach Hause.
Unter der
Waschküche befand sich ein Keller, dort wurden die Früchte zusammen mit den
Kartoffeln aus dem Garten eingelagert. Nebenan lag ein Haufen von Cilly
organisierter Kohlen zum notdürftigen Heizen der zugigen Waschküche.
Fleisch
hatte nur, wer Hasen oder Hühner hielt. Im Hof neben der Waschküche wurden von
mehreren Familien gemeinsam einige Hasen gehalten. Die Kinder fütterten die
Tiere den Sommer über mit allem, was die Wiesen hergaben. Eines Tages fehlte
Helgas kleines Kopfkissen. Da das Inventar der Waschküche sehr übersichtlich
war, bemerkte Cilly das fehlende Kissen sofort. Die Kleine hatte es den Hasen
gebracht, sie sollten es bequem haben. Als der Winter kam, war das Drama unter
den Kindern groß, wenn es ans Schlachten ging. Keines von Cillys Kindern wollte
von dem köstlichen Weihnachtsbraten probieren. Sie verweigerten den Hasen und
hielten sich an Semmelknödel und Soße.