Witwe
und Halbwaisen
Im Spätherbst 1941 erhielt Cilly ein Telegramm. Franz Xaver
Bengel, der Vater ihrer Kinder, war am 16. Oktober in Russland
gefallen. Cilly weinte bittere Tränen. Sie hatte ihren Mann
von ganzem Herzen geliebt. Helgchen war anderthalb Jahre alt, als sie
und ihre drei Geschwister zu Halbwaisen wurden.
Der eisige Winter 1942 kam. Cilly stopfte die leeren
Fensterhöhlen der Waschküche mit Pappkarton und Holz,
damit die Kinder nicht erfroren. Die Scheiben waren schon beim ersten
Bombenhagel zersplittert.
Kinder und Mutter wuschen sich an einem alten Wasserstein in der Ecke
der Waschküche. Einmal im Monat wurde der Kessel angeheizt und
über Nacht die Kochwäsche eingeweicht, dann war es
schön warm in den Betten an der eiskalten, unverputzten Wand.
Am nächsten Tag mussten die älteren Mädchen
helfen, die Wäschestücke mit einer Holzgabel aus dem
heißen Wasser herauszuheben, um sie in einer anderen
Bütte auszuwaschen. Anschließend wanderte die bunte
Wäsche ins heiße Wasser, dieselbe Prozedur begann
von vorne. Das Auswaschen und Wringen der Wäsche mit den
bloßen Händen kostete viel Kraft.
Anschließend musste alles draußen mit klammen
Fingern aufgehängt werden. Kein Vergnügen mit leerem
Magen.